01. Juli, 2019 / Stellenwerk News

Ich bin dann mal weg…

Eindrücke der Zentral- und Südamerika-Reise von Maurice Locher

Schon lange träumte ich davon, die Zentral- und Südamerikaabenteuer meiner Jugendjahre wieder aufleben zu lassen. Im Februar 2019 war der Zeitpunkt günstig: Stellenwerk hatte mit 2018 ein Rekordjahr hinter sich.  

Der Fokus der Reise sollte „Natur“ und „Sport“ sein: So ging es am 25. Februar los: Segel hissen in Shelter Bay, Panama. Zweitägige Durchfahrt durch ein Wunderwerk der Technik: Den Panama-Kanal! Der rund 80 km lange Kanal verbindet den Atlantik mit dem Pazifik und erspart Crew und Schiffen die lange und anspruchsvolle Reise um das Kap Horn, der Südspitze Südamerikas. 

Die paar Tage Vorbereitung der Überfahrt in die Südsee des Skipper-Ehepaares nutzte ich für einen Abstecher in den Archipel San Blas in der Karibik Panamas. Die Kuna-Indianer verwalten die 350 Inseln, der Grossteil ist unbewohnt. Dank dem restriktiven Tourismus und der naturverbundenen Lebensart der Einheimischen fühlt man sich wie Robinson Crusoe: Ziemlich alleine auf palmenbestandenen Inseln mit weissen Traumstränden und türkisfarbenem Wasser…

Nach ein paar Tagen legten wir wieder los: der Hafen von la Libertad in Ecuador war das Ziel, ca. 10 Tage „offshore“ Segeln über die einsame Weite des Pazifik!

Ab der Ankunft an der Küste Ecuadors war alles ungeplant: kein einziger fixer Termin mehr für fast drei Monate! Die absolute Freiheit, die Route täglich neu definiert… Der Fokus: Natur und Sport. So reiste ich nun die nächsten Wochen kreuz und quer durch Ecuador und Kolumbien. Die pulsierenden Millionenstädte wie Quito, Bogotá oder Medellín versuchte ich mehr oder weniger zu vermeiden, die Naturerlebnisse sagten mir viel mehr zu. So besuchte ich die Galápagos, den Amazonas, surfte an der Westküste Ecuadors, stieg auf Vulkane in den Anden und um Quito. In Kolumbien rief eine Hochzeit in der schmucken Kolonialstadt Cartagena, „Kite-surfen“ im wilden und staubigen Cabo de la Vela (nördlichster Zipfel Südamerikas), unzählige Trekkings und Vulkanbesteigungen in den Nationalparks „El Cocuy“ und „Los Nevados“ und in der „Zona Cafetera“. Berührende Auseinandersetzungen mit Kolumbiens „Drogenvergangenheit“ fanden v.a. in Medellin und Bogota statt. Sehr eindrücklich und bewegend, wie das Entwicklungsland Kolumbien durch die solidarische Aufnahme von Millionen (!) von Venezuelanern die Krise im Nachbarland entschärfen hilft. 

Wie war ich unterwegs? Mit (fast) allem: Segelschiff, Fähre, Taxi, Bus, Flugzeug, Autostopp, Mountainbike, Kanu, Katamaran, Zug, Mietwagen und sehr viel zu Fuss… Neben dem Reise betätigte ich mich sportlich auf alle Arten und Weisen: Segeln, Schnorcheln, Schwimmen, Fischen, Wandern, Klettern, Joggen, Surfen, Kite-Surfen, Kajak, Hydrospeed, Velo-/ Mountainbike fahren… Ich hatte noch nie so viel Zeit in meinem Leben. Mit Ausnahme des Segeltörns war nichts vorgängig geplant. Jeder einzelne Tag frei gestaltbar. Diese Freiheit und Freizeit genoss ich sehr. Viel Zeit heisst aber auch viele Gedanken wälzen, sich intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen und das war nicht immer einfach, trotzdem sehr empfehlenswert :-)

Der Abschluss des Abenteuers…

Da 100 Wege nach Rom führen (und sonst noch zwei, drei Gründe ;-)) reiste ich von Zentralamerika in die ewige Stadt und anschliessend nördlich nach Umbrien. Den Abschluss der Reise wollte ich langsam angehen: So entschloss ich mich spontan vom Gotthard nach Zürich zu Fuss zu wandern.

Ein paar Freunde begleiteten mich abwechslungsweise. Am Freitag, 7. Juni traf ich müde, glücklich und braungebrannt in Zürich ein, gerade noch rechtzeitig um die Fussballkumpels im letzten Meisterschaftsspiel der Saison mehr oder minder tatkräftig zu unterstützen ;-) 

Und wie empfand ich nun den Einstieg nach 14 Wochen Ferien? Ich bin überrascht, wie schnell man in eine andere Haut, ein anderes Leben schlüpfen kann und wie schnell man wieder „im alten Leben“ ist. Die Rückkehr fiel mir nicht schwer: Ich habe mich sehr auf meine Familie, meine Freunde, die Arbeit, das Team, die Kunden und Fussballspielen mit meiner „Gang“ gefreut.

Was nehme ich mit? Die (erneute) Erkenntnis, dass Glück nicht von Sicherheit und Geld kommt, sondern aus sozialen Kontakten und der Lebenseinstellung. Unzählige, spannende, lustige, aber auch besinnliche Begegnungen mit Einheimischen und Reisenden, die mir eindrücklich zeigten, dass es 100 Wege nach Rom und durchs Leben gibt. Grosse Dankbarkeit, dass mein Team mir diese Reise ermöglichte und Stellenwerk auch ohne mich gut funktioniert. Das Bewusstsein, dass in der Schweiz aufzuwachsen und zu leben in vielen Aspekten ein absolutes Privileg ist. Und last but not least: Die Erkenntnis, dass der von mir eingeschlagene Weg mit der Selbstständigkeit und Stellenwerk,  die Entwicklung von motivierten Mitarbeitenden, das Engagement in verschiedenen unternehmerischen Projekten und Unterrichten an einer Wirtschaftsschule für mich der richtige berufliche Weg ist. 

 Maurice Locher, 1. Juli 2019